Seilermeister Rainer Schoser fertigt bei der Vorführung einen Strick an.
Das Seilerhandwerk
„Dem Seiler geräth´s am besten, wenn´s brav hinter sich geht...“
Da das Seilerhandwerk dem Handwerk des „Reepschlagens“ verwandt ist, in der Rottenburger Seilerei ebenfalls schweres Seilwerk hergestellt wurde und nicht zuletzt aufgrund ihrer eindrucksvollen Länge, war die Häckelsche Seilerei in Rottenburg auch unter der Bezeichnung „Reeperbahn“ bekannt – keineswegs jedoch zur Freude der Besitzer. Während der Reepschläger (auch Reeper, Kabeldreher) vorwiegend schweres Seilwerk für die Schifffahrt herstellte und in den Küstenstädten an Nord- und Ostsee zu finden war, stellten die Seiler an sich kurzes und dünnes Seilwerk für Fischerei und Landwirtschaft her, führten auch Flechtarbeiten aus und betrieben Kleinhandel. In den Küstenstädten waren daher mitunter beide Handwerke anzutreffen, die Domäne der Seiler war jedoch das Binnenland, wo ihr Gewerbe lange ein ausgesprochen bäuerliches Gewerbe war, zum Teil auf der Stör ausgeübt wurde und erst spät zu zünftiger Organisation gelangte.
Ausgangsmaterial für Seilerhandwerk war Flachs oder Hanf. Während letzteres in besseren Zeiten für Rottenburger Seilerei meist aus Italien oder China in größeren Mengen eingekauft wurde, musste in Kriegs- und Krisenzeiten auch neben der Seilerei Flachs angebaut und dieses gröbere Material zu Seilen verarbeitet werden. Nach der Bearbeitung des Rohmaterials wurde das minderwertige Werg für Stricke und grobe Waren benutzt.
Die Kleinste Produktionseinheit des Seilers ist der Faden. Das Spinnen vollzog sich beim Rückwertsgehen des Seilers. Vom Faden zur Schnur oder der Litze kam der Seiler, indem er zwei Fäden miteinander verdrehte. Hatte er genügend Schnüre produziert, so verdrehte er diese zum Seil.